THP Tage 2016

Rückblick auf die 18. Tierheilpraktikertage

Die Tierheilpraktikertage der Kooperation sind seit vielen Jahren eine feste Institution in der immer umfangreicheren Fortbildungs-Landschaft. Aber in der Regel weiß man hier, was einen erwartet: ein interessantes Programm, erfahrene Referenten (Ausnahmen bestätigen die Regel), Kollegen, die man schon länger nicht gesehen und auf die man sich gefreut hat. Ein herzlicher Austausch zwischen Teilnehmern, Veranstaltern, Referenten und Industrieausstellern wird sicherlich dadurch begünstigt, dass viele sich seit Jahren kennen und auf Hohenroda freuen. Wer zum ersten Mal da ist, findet sich in dieser Atmosphäre schnell ein – wie eine Teilnehmerin schreibt: „Ich war zum ersten Mal da und habe mich in der freundlichen Atmosphäre schnell sehr wohl gefühlt und Kontakte geknüpft.“

Was wir aber sicher nicht planen können, ist das Wetter! Seltener regnet es durchweg, im letzten Jahr war es so heiß und schwül, dass kaum einer „piep und papp“ sagen konnte. In diesem Jahr passte es rundherum: sonnig, aber nicht zu warm, mal ein kleiner Schauer – angenehm eben.

Das gewählte Schwerpunktthema rund um den gesunden Darm als Voraussetzung für einen gesunden Organismus war ein sehr praxisbezogenes Thema. Bei vielen chronischen Erkrankungen kommt man therapeutisch nicht sehr weit, wenn man nicht den Darm mitbehandelt – ob Hautpatienten, Stoffwechselerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, die Liste ließe sich noch länger fortsetzen. Dieser ganzheitliche Aspekt ist ein großer Vorteil gegenüber schulmedizinischem Vorgehen, wo bei solchen Erkrankungen häufig suppressiv oder symptomatisch behandelt wird.

Schon der Eröffnungsvortrag mit Dr. med. vet. Silke Stricker hatte mit dem Thema „Der Darm und seine Bewohner – ein ganz besonderes Team“ höchste Aktualität: Frau Stricker stellte sehr spannend das Mikrobiom vor – früher sagte man Darmflora – dessen Individualität immer mehr erforscht wird. Befasst man sich näher mit diesem sensiblen System, wird schnell deutlich, warum die Darmgesundheit essentiell für einen starken Organismus ist. Von daher waren therapeutische Ansätze in Richtung Entgiftung und Darmsanierung Schwerpunkte dieses hochbrisanten Vortrags. Anhand einiger Beispiele aus der Praxis der Referentin war gut nachzuvollziehen, wie ein durch Behandlung gestärkter Darm eine Gesundung auch anderer Regelkreise im Organismus nach sich zieht. Ein großartiger Einstieg in das Thema für die Tagung! Wie gern hätten wir das Thema noch vertieft!

Nach dem Eröffnungsabend mit Informationen zu den Aktivitäten der Kooperation deutscher Tierheilpraktiker-Verbände e. V. und ihrer Teamarbeit mit anderen Verbänden, einem spannenden Vortrag für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Frau Stricker und nicht zuletzt dem gemütlichen ersten Abend mit Wiedersehensfreude und langen Gesprächen, teilte man sich ab Samstag dann auf, um in die selbst gewählten Vorträge zu gehen.

(Stefanie Olhöft)

Sabine Müller hielt einen sehr umfassenden Vortrag über Homöopathie bei Darmerkrankungen“. Sie differenzierte zwischen akuten, bedrohlichen und chronischen Zuständen, verwies auf deren Zusammenspiel in Ursache, Verlauf, Rezidiv und Therapie.

Lebhaft gestaltete Sie den Vortrag dadurch, dass Sie die Auswahl homöopathischer Mitteln die sie in ihrem Vortrag  erläuterte,  nicht isoliert, trocken sondern lebhaft  anhand von Fallbeispielen einbrachte.  So motivierte sie die Zuhörer sich einzubringen, mitzudenken, den Er-Arbeitungsweg zum passenden Simile zu verstehen. Ein nachhaltiger Vortag in meinen Augen den ich genossen habe, auch wenn der Kopf danach mal wieder qualmte.

(Martina Fickert)

Dr. Hans Martin Steingassner ließ die Teilnehmer an seinem profunden Wissen zum Homöopathie-Thema „Darmnosoden“ teilhaben und lockerte dies durch einprägsame Beispiele auf. Der 2. Vortrag sollte nach Dr. Steingassners Vorstellungen eher einen Workshop

darstellen, aber er schwenkte rasch um und überzeugte einmal mehr mit nicht nur guten Ratschlägen und erprobten Therapieempfehlungen. Aus der Praxis für die Praxis! Hochdeutsch gehört leider nicht zu seinen Stärken.

(Edeltraud Hanser)

Der Vortrag über „Darmparasiten“ von Dr. med. vet. Thurid Schott vermochte vom Titel her ein trockenes, wenn auch notwendig zu wissendes Werk  werden. Weit gefehlt. Thurid Schott schaffte es den Darm mit seinen Bewohnern als lebendiges Konglomerat zu vermitteln das in einem gegenseiteigen nutzbaren Zusammenhalt arbeitet. Sie stellte heraus dass es nicht das Bestreben eines Parasiten ist, seinen Wirt zu zerstören, daher ist das Töten der Parasiten nicht immer notwendig, eher die Fähigkeit der Regulation zu fördern.                                                                                                                                Neben grundsätzlichen Details über die verschiedenen Parasiten, zum Teil mit Animationsfilmen untermalt, ihre Entwicklungen, Aufnahmen, Wanderwege im Wirtsorganismus gab sie die entsprechenden Ansatzmöglichkeiten in der Prophylaxe wie auch Therapie. Sie erläuterte umfassend die begünstigenden Rahmenbedingungen für den Befall mit Darmparasiten, die auch zugleich wichtige Bausteine der Vorbeugung beinhalten.                                                                                                                   Dabei gab sie aus Sicht der klassischen Homöopathie wichtige Impulse durch die Darstellung der Einzelmittel die die  Selbstregulationen fördern. Auch ging sie erläuternd auf wirksame chemische Wurmmittel und deren sinnvollen und vernünftigen Einsatz ein.

(Martina Fickert)

Parallel zu dieser mehr der Homöopathie gewidmeten Vortragsreihe konnten andere Teilnehmer sich Vorträge verschiedener Therapiearten wie den über das „Multitalent Pankreas“ hören, ohne dessen enzymatische Bereitstellung Verdauung und damit Umwandlung von Nährstoffen nicht möglich wäre. Da das Thema über dieses sensible Organ, das sehr leicht auf emotionale und Stressfaktoren reagiert, sehr umfangreich ist, beschränkte sich die Referentin Stefanie Olhöft auf die exokrine Tätigkeit des Organs und ließ den endokrinen Part weitgehend außen vor.

Dem folgend gewährte Dr. med. vet. Christina Eul-Matern ihrer Zuhörerschaft einen Blick auf die emotionalen Zusammenhänge bei Darmerkrankungen aus Sicht der TCM. Dieser Vortrag war auch gut für Einsteiger und in der TCM noch nicht bewanderte Kolleginnen und Kollegen geeignet, da die Referentin zunächst ausführlich über das Prinzip der Emotionen als endogenen Faktor bei Erkrankung sprach. Die TCM hat dadurch immer einen ganzheitlichen Ansatz gegenüber der symptomatischen Vorgehensweise der Schulmedizin.

Gut ergänzt wurde dieser Vortrag von Anja Niklas-Krajewski, die den Teilnehmern zum Thema Erkrankung des Verdauungsapparates die Phytotherapie mit westlichen Kräutern aus Sicht der TCM angewendet vorstellte. Der Einbezug energetischer und thermischer Aspekte bei der Verordnung von Kräutern, wie es die TCM vorgibt, verlangt eine genaue chinesische Diagnosestellung und erlaubt daher eine sehr individuelle Behandlung, so dass zwei Patienten mit Durchfall nicht zwingend die gleiche Rezeptur verordnet bekommen.

(Stefanie Olhöft)

Der sehr interessante und gut gehaltene Vortrag von Ronald Fischer zu dem äußerst wichtigen Thema „Säure-Basen-Haushalt“ – speziell auch in der Veterinärmedizin- hätte mehr Teilnehmer verdient gehabt! Die Anwesenden profitierten nun jedoch dahingehend, dass Herr Fischer viele persönliche Anliegen und Fragen beantworten konnte und der Vortrag auch durch kurze Versuche eher den Charakter eines Workshops bekam. Wir hätten in diesem Vortag beinahe die uns zur Verfügung stehende Zeit vergessen. Ein Vortrag nach meinem Geschmack: aus der Praxis für die Praxis zum direkten Umsetzen!

(Edeltraud Hanser)

Samstagabend konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich gewohnheitsgemäß von  einigen Ausstellern in – zumeist und weitestgehend kurz gehaltenen – Vorträgen über das mitgebrachte Angebot informieren. Ob Therapieart, Dienstleistung oder therapeutische und Pflegeprodukte – von allem war etwas dabei. Dieses Vortragsangebot gibt den Teilnehmern der Tierheilpraktikertage jedes Jahr die Möglichkeit, sich einen Überblick über die Industrieausstellung zu verschaffen, Vorabinformationen zu beziehen und erleichtert so die Wahl, bei welchem Anbieter man am Stand noch Gespräche führen oder sich für die Praxis eindecken möchte.

Ein wichtiger Aspekt in der Gesunderhaltung des Darms und damit des gesamten Organismus  ist die Diätetik. Daher stand der ganze Sonntagvormittag im Zeichen von Ernährung und möglichen Fehler hierbei. Über ein hochaktuelles Thema referierte Swanie Simon, die Ernährungsfehler in der Rohfütterung bei Carnivoren aufzeigte. Die langjährig erfahrene Referentin ließ bei den Zuhörern keine Fragen unbeantwortet. Man hätte ihr gern deutlich länger zugehört, wie sie Zusammenhänge erläuterte, mit Klischees und veralteten Empfehlungen aufräumte und praktische Tipps gab.

Ebenfalls unter dem Siegel von Klischees und gar falschen Empfehlungen, deckte Tierärztin Katrin Knecht die Vitamin- und Mineralstofflüge auf und wies auf die Gefahren hin, die von synthetischen Zusätzen ausgehen.

Parallel dazu kamen die Pferdetherapeuten voll auf ihre Kosten. Mit Dr. med. vet. habil. Silvia Wein hatten wir eine engagierte Referentin, die sich ganz der Fütterung von Pferden verschrieben hat. Immer wieder aktuell und mit den neusten Erkenntnissen konnte sie der Zuhörerschaft „Ernährungsfehler beim Pferd und ihre Auswirkungen auf den Organismus“ aufzeigen und schlüssig darstellen. Nach der Darstellung bedarfsgerechter Versorgung der Pferde und dem gegenüber Intoxikation durch Futtermittel einerseits und ein Überangebot anderseits, was beides zu akuten bzw. chronischen Erkrankungen führt, war ihr ein wichtiges Anliegen vor den Folgen der heute recht verbreiteten Adipositas bei Pferden zu warnen. Nicht nur, dass dies den Bewegungsapparat oder Herz-Kreislauf belastet, leistet die Adipositas u. a. durch Gewebshormone Vorschub für Folgeerkrankungen, mit denen wir uns in der Pferdetherapie gehäuft herumschlagen – Insulinresistenz und Laminitis. Sehr praxisrelevant zeigte sie, wie der Adipositas durch Management und Diätetik beizukommen ist, ebenso wie bei weiteren „Wohlstandserkrankungen“ der Pferde, wie Morbus Cushing und PSSM.

Da „Dysbiosen beim Pferd“  ein weit verbreitetes Problem sind, was überwiegend ein  Resultatfalscher Fütterung ist, war der Vortrag der Fütterungsexpertin Anja Beifuss ebenfalls ein sehr wichtiger Beitrag in dieser Vortragsreihe. Neben den Ursachen und der Entwicklung von Dysbiosen wurde hier aufgezeigt, welche Fütterung und Nahrungsergänzungen sinnvoll sind, um hierbei gegenzusteuern. Durch langjährige Beratung von Pferdebesitzerin und Therapeuten konnte die Referentin aus einem großen Erfahrungsschatz mit vielen Beispielen schöpfen.

Unsere alternative Vortragsreihe bot in diesem Jahr auch denjenigen Therapeutinnen und Therapeuten, die sich manuellen Therapien beschäftigen die Möglichkeit zur Fortbildung im Rahmen dieses Kongresses. Im ersten Vortrag am Samstagmorgen konnte die Tierheilpraktikerin Natascha Ugrinsky-Johannsen über die derzeit immer verbreiteter eingesetzten Life-Wave-Patches informieren. Diese selbstklebenden Pflaster mit einer Wirkstoffkombination aus Aminosäuren, Polysacchariden und Sauerstoff in wässriger Lösung, die durch Schwingungen die Frequenz von Biophotonen auf die Zellen übertragen, um diese dadurch zu ihrer physiologischen Tätigkeit anzuregen. Die Referentin schilderte die praktische Anwendung, vor allem wie man mit den Pflastern über Akupunkturpunkte arbeiten kann.

Besonderen Anklang fand das Thema über das faszinierende System der Faszien, das nicht zuletzt und in besonderem Maße in der Osteopathie Beachtung findet und im Rahmen dieses Kongresses gleich Thema dreier Vorträge war.

Den Anfang machte Barbara Welter-Böller, die in ihrem ersten Vortrag zunächst über Grundlagen in die Welt der Faszien einführte. Dank dieser Einführung konnte sich wohl kaum einer mehr dieses spannenden Gewebes entziehen. Das Verständnis für die Wichtigkeit dessen für einen gut funktionierenden und beweglichen Organismus wurde durch den Vortrag ebenso geweckt wie dieser die Folgen lokaler Restriktionen auf das gesamte System aufzeigte.

Ganz besonders spannend wurde es im zweiten Teil, als Frau Welter-Böller über „Spezielle Faszienprobleme und ihre Ursachen-Folge-Kette beim Pferd und Hund“ sprach.  Sehr schlüssig wurde hier, dass lokale Probleme des Bewegungsapparates ihre Ursache in der Regel an ganz anderer Stelle haben. Dieser hervorragende Vortrag mit seiner hohen praktischen Relevanz begeisterte die Zuhörer durchweg.

Nachfolgend griff Susan Bär das Thema „Faszien  und ihre Beziehung zum Meridiansystem auf“ – eine Betrachtungsweise, die die Ganzheitlichkeit der Faszien begreifen lässt und so auch gut für TCM-Therapeuten umsetzbar und anwendbar ist.

(Stefanie Olhöft)

Die Vorträge V16.1 und 16.2 über die Dornmethode, wurden von Frau Simone Quaeck, Tierheilpraktikerin und u.a. Dorntherapeutin sowie Leiterin der Akademie für Dornmethode und Tierheilkunde gehalten. Frau Quaeck gab den TeilnehmerInnen einen ausführlichen Überblick über die Entstehung der Dornmethode, benannt nach dem Entdecker Dieter Dorn, wie sie sich langsam etablierte, welche Vorurteile ihr zuerst gegenüberstanden und wie die Gemeinschaft der Dorntherapeuten sowie die Akzeptanz dieser Methode durch erfolgreiche Arbeit zusehends gewachsen ist.

Das Prinzip der Dornmethode ist, das Skelett, nachfolgend die anhängende Muskulatur, von hinten nach vorne gearbeitet, wieder in eine physiologische Statik zu bringen. Aus dieser können sich Mensch und Tier aus- und aufrichten, die normalisierte Schubkraft, Lastaufnahme und  Lastverteilung führt sie zu Entlastung, Tragkraft und Gesundheit zurück.

Im ersten Teil des Vortrages ging sie auf äußere Ursachen und Einflussnahmen ein, die das physiologische Gefüge stören, zu Problemen physischer und psychischer Natur führen. Im zweiten Teil schilderte sie die Einflussnahme des Menschen durch Haltung, Sport und Nutzung  und die störenden Einflüsse auf die Statik des Skeletts mit seinen Auswirkungen.  Gerade der Wirbelsäule als Austrittspforte der Spinalnerven kommt in dieser Methode eine entscheidende Rolle in der Gesamtheit der Gesundung aller Organe, nicht nur des Bewegungsapparates zu. In der Dornmethode schlummert Potenzial, das sie als solitäre Therapiemethode nutzbar machen kann, setzt aber umfassende Wissen ob der Methodik voraus.

(Martina Fickert)

Den Abschluss der Veranstaltung bildete wieder ein Workshop, was wir es bereits in den vergangenen Jahren durchgeführt haben. Mit den angebotenen Themen mit Problemstellungen aus der Praxis möchten wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem lebendigen kollegialen Austausch anregen. Das diesjährige Thema „Hilfe, mein Patient verweigert seine Therapie“ schaffte eine lebhafte Diskussion, da die Probleme wie Verweigerung angebotener Diätetik oder Medikamente, Angst oder Aggression bei der Untersuchung, Ablehnung durch den Besitzer usw. jedem Therapeuten gut bekannt sind. Die Diskussion zeigte, dass offenkundig mehr Schwierigkeiten durch Tierbesitzer erwachsen als durch die Patienten selbst. Es war wieder höchst spannend und sicher für alle anregend, wie die einzelnen Kollegen mit solchen Problemen umgehen. Auch unsere Feedback-Bögen zeigten, dass der Wunsch nach solchen oder ähnlich gestalteten Workshops durchaus von den Teilnehmern erwünscht wird.

Wir freuen uns auf die 19. Tierheilpraktikertage, die vom 07. – 09. Juli 2017 stattfinden und hoffen auf eine rege Beteiligung.