THP-Tage 2018

20 Jahre Tierheilpraktikertage der Kooperation – ein Grund zum Feiern für alle Beteiligten

22. – 24. Juni 2018

Es war nicht nur ein Grund zum Feiern – nein, auf jeden Fall auch ein Anreiz, weiterhin Tierheilpraktikern eine gesicherte Fortbildung zu bieten, welche unterschiedliche Themengebiete von verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Insbesondere schätzen unsere Teilnehmer den kollegialen Austausch von Erfahrungen rund um die alternative Tiermedizin.

Die Kooperation deutscher Tierheilpraktiker-Verbände bedankte sich als Veranstalterin bei ihren Teilnehmern, Referenten und Ausstellern mit einem ganz besonderen Abend. Daher wurden am Samstag die Vorträge etwas früher als gewohnt beendet. Ab 18 Uhr begrüßten die Vorsitzende, Stefanie Olhöft und ihre Stellvertreterin, Martina Fickert ihre Gäste mit einem Glas Sekt. Für die Arbeit der Kooperation gab es viele nette Worte der Anerkennung und Ermunterung auch in kommenden Jahren so weiter zu machen.

Nachdem alle Gäste in dem vom Hotel festlich und stilvoll geschmückten Restaurant Platz genommen hatten, hielt Frau Olhöft eine Ansprache, bei der sie von Bildern begleitet den Werdegang der Tierheilpraktikertage Revue passieren ließ: von ihrem Beginn im Kloster Höchst im Odenwald über eine kurze Station im Tagungszentrum „Dicke Birken“ in Geseke bei Paderborn bis hin zu dem seit 2003 allseits beliebten Tagungsort „Hessen Hotelpark Hohenroda“, das keine Wünsche offen lässt. So überzeugte das professionelle Team um Hotelmanager Michael Schubert auch bei der Ausrichtung derJubiläumsveranstaltung in ihrem Hause sowohl bei den Vorbereitungen als auch am Jubiläumsabend selbst.

Nach der Eröffnungsrede überraschten Mechthild Prester und Birgit Weidacher-Bauer (Vorstand des Ältesten Verbandes der Tierheilpraktiker Deutschlands, THP e. V.) Stefanie Olhöft, mit einem großen und bunten Blumenstrauß, den sie ihr stellvertretend für die Kooperation überreichten. Die Gratulation der beiden Vorsitzenden war ein herzliches und kollegiales Signal an die Kooperation. In ihrer kurzen Ansprache hielten sie Rückblick auf Zeiten, als der THP e.V. noch Mitglied der Kooperation war und zukunftsblickend da der THP e. V. und die Kooperation im Rahmen der Interessengemeinschaft der Tierheilpraktikerverbände in Deutschland seit 2015 wieder gemeinsame berufspolitische Projekte bearbeiten.

Beim anschließenden Festmahl verwöhnte das Hotel die Gäste mit einem reichhaltigen orientalischen Buffet, das auch eine große Auswahl an vegetarischen und veganen Speisen bot. Es war nahezu unmöglich, von allen angebotenen Köstlichkeiten zu probieren.

Der Höhepunkt des Abends war eine Aufführung des GALLI-Theaters Wiesbaden mit dem Stück „Die homöopathische Familie“. Gekonnt und mit viel Humor parodierte das Ensemble vier verschiedene Charaktere homöopathischer Konstitutionstypen – Lycopodium (Vater), Ignatia (Mutter), Phosphorus (Sohn) und Tuberculinum (Tochter). Was für eine Familie! Der Clou daran war, dass das Publikum nicht wusste, welche Mittel hier brillant dargestellt wurden. Am Ende durften die Zuschauer dann erraten, welches Mittel von den einzelnen Darstellern repräsentiert worden war. Die Improvisationstalente des Galli-Theaters zeigten ihr breites Repertoire einschließlich Gesang auch während eines Ausflugs in die Märchenwelt (Tapferes Schneiderlein / Rotkäppchen) innerhalb des Stücks.  Ein großes Vergnügen, dass allen sichtlich viel Spaß bereitet hatte. Viele Teilnehmer blieben danach beieinander, um noch weiter zu klönen. Schließlich klang der gemütliche Abend in der „History-Bar“ gesellig in Gesprächen und beim Tanz aus.

Die Qual der Wahl hatte das Organisationsteam der Kooperation bei der Auswahl der Vorträge für das Jubiläumsjahr. Es gab viele Highlights in den 20 Jahren und viele Wünsche der Teilnehmer. Nach der schweren Entscheidung war die Veranstaltung international geprägt von einem hochkarätigen Referenten-Team aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien und Norwegen. Eine der Teilnehmerinnen hatte sogar den weiten Weg von Indien nach Hohenroda angetreten (s. Interview).

Der Freitagabend begann mit einem Eröffnungsvortrag von Dr. Ralph Bruinaars aus Belgien, der als klassisch homöopathisch arbeitender Tierarzt in seiner ganz eigenen Weise die Essenzen von „Schlangen- und Spinnenmitteln in der Homöopathie“ hervorhob. Dabei ließ er die Zuhörer teilhaben an seiner Arbeitsweise, die auf viel Erfahrung und Empathieberuht und seltener auf der Repertorisation.

An dieser Stelle lassen wir wieder die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Wort kommen, wenn es darum geht Ihre Eindrücke zu den Vorträgen zu schildern:

Tierheilpraktiker-Tage 2018 – die Agenda und die Dozenten waren äußerst vielversprechend. Und so freute ich mich auf meine erste Teilnahme als Mitglied des VfT.

Positiv überrascht hat der offene, angenehme und zielorientierte Austausch mit Kolleginnen, Kollegen, Ausstellern und Dozenten und besonders auch der Vortrag von Dr. Christina Eul-Matern zur „Sensologischen Diagnostik“. „Synergie – Wenn eins und eins drei wird“ war der passende Einstieg in eine Präsentation, welche die Wichtigkeit der Korrespondenz zwischen Tier, Besitzer und Therapeut deutlich machte. So sind ausgedrückter Respekt und die Ehrlichkeit, die ein Therapeut dem Patienten entgegenzubringen hat, gerade bei Verhaltensproblemen eine Voraussetzung zu wechselseitiger Resonanz. Aber auch die vorherrschende Frequenz, auf die sich der Therapeut einschwingen sollte um diese anschließend zu erhöhen, kann förderliche Wirkungen zeigen. Dies kann beispielsweise durch Fingerdruck auf Akupunkturpunkte geschehen oder aber indem osteopathische Handgriffe zur Stimulierung durchgeführt werden. Diese energetische Herangehensweise wird unter anderem ergänzt durch Berücksichtigung der Head´schen Zonen, der Zungendiagnostik und der Palpation als grobstoffliche Berührung von Rezeptoren. Die folgende Aussage der Dozentin ist sehr bezeichnend: „Der Osteopath sucht nicht nach dem Schmerz, sondern nach dem Grund für den Schmerz – das Opfer schreit, nicht der Täter.“ Dies erfolgt im Rahmen eines routinierten Checks, ähnlich eines Scanners. Hierdurch sind die Dinge wahrzunehmen, die gerade heute bzw. am Tag der Behandlung wichtig sind. Bildlich gesprochen bedeutet dies, dass der Therapeut „nicht über den Gartenzaun geht“, sondern immer die Grenzen des Tieres respektieren soll.

Der Vortrag von Dr. Christina Eul-Matern zeigte deutlich, wie verschiedene energetische Systeme miteinander verbunden werden können, indem der Therapeut sich verbindet, Details erfühlt und erspürt.

Diese Impulse gilt es mit nach Hause und in die tägliche Praxis zu nehmen. Gerade hierfür eignen sich meines Erachtens die Tierheilpraktiker-Tage in Hohenroda bestens. Eine kleine Auszeit aus dem Alltag mit tiefgehenden Impulsvorträgen.

Stefanie Gerner

Are Thoresen – Projektionen und die Behandlung der Mitte:

Are Thoresen vermittelte sein aus langjähriger Erfahrung stammendes Wissen auf sehr authentische, sympathische und vor allem informative Weise in einem freien und immer wieder sehr humorvollen Vortrag. Das nicht ganz leicht zu erfassende Thema wurde mit dem Fortschreiten des Vortrags inhaltlich immer klarer und der didaktische rote Faden des Referenten erkennbar. Are Thoresen zeigte nachvollziehbar auf, welch verblüffend einfache Methode er entwickelt hat, um aus dem Gleichgewicht geratene und damit krank machende Energien im Körper zu harmonisieren. Hier durfte auch das Publikum aktiv werden und hier kam auch „die Mitte“ zum Tragen, denn diese spielt im Behandlungsschema die „zentrale“ Rolle. Unter anderem wurde auch sehr verständlich dargelegt, dass es entscheidend ist, die krank machenden Energien zu transformieren, also in anderen Worten zu harmonisieren und unschädlich zu machen, und nicht nur zu translozieren. Denn dabei erfährt der Patient zwar auch Heilung, die negative energetische Struktur wird jedoch nicht wie bei der Transformation aufgelöst, sondern wandert lediglich zu einem anderen Wesen weiter. In der Mensch-Tier-Beziehung ist es hierbei leider oftmals so, dass sie vom Mensch auf das Tier übergeht und dort dann gleich- oder andersartige Krankheitssymptome hervorruft. Fazit: Ein komplexes und spirituelles Thema, greifbar vermittelt im Rahmen eines tollen Vortrags durch einen Referenten von beeindruckender Persönlichkeit.

Johanna Schilling

Dr. med. vet. Andreas Zohmann „Bewegungsanalyse aus ganzheitlicher Sicht“

Ganz ehrlich, bei dem Versuch die Probleme am Bewegungsapparat meiner tierischen Patienten zu analysieren und zu verstehen, stoße ich als Tierheilpraktikerin schnell an meine Grenzen. Aus dem Bedürfnis heraus, in dieser Richtung einen besseren Blick für Ursachen und Zusammenhänge zu bekommen, besuchte ich den Vortrag von Dr. med. vet. Zohmann. Eine sehr gute Entscheidung! Dr. Zohmann gehört definitiv zu denjenigen Menschen, die ihr Fachgebiet mehr als gut verständlich und anschaulich an ihr Publikum weitergeben können. Anschaulich nicht nur wegen des mitgebrachten Film- und Fotomaterials, sondern auch durch seine eindrucksvolle Art und Weise, mit seiner eigenen Körpersprache, die Probleme seiner Patienten bildlich darzustellen! Er begleitete seine  mündlichen Ausführungen, sozusagen synchron mit seiner Körpersprache, was ich so noch bei niemandem erlebt habe. Dr. Zohmann war somit, an Leib und Seele anzusehen, wie sehr er sein Fachgebiet verinnerlicht hat.

Wichtig war ihm vor allem, immer wieder darauf hinzuweisen, dass oft Zusammenhänge zwischen Störungen am Bewegungsapparat und Organen bestehen.  Beispiele unter anderem waren,  bei Knielahmheit ohne Befund, immer an Entzündungen der Prostata oder Cervix zu denken oder bei Spondylosen im BWS Bereich, Herz und Magen abzuklären. Hier habe ich doch einiges dazu gelernt, z. B. Zusammenhang zwischen Karpalgelenkfehlstellung und Herz – das war mir ehrlich gesagt –  bis dahin völlig unbekannt. Sehr gut erklärt wurden auch noch mal Begriffe wie bodeneng/weit, Passgang, Kreuzgang, twisten,  diagonal laufen oder flip/flap und welche Schlüsse man daraus ziehen kann.

Dr. Zohmann hat es meiner Meinung auf jeden Fall geschafft, uns in nur 90 Minuten ein Maximum an Information gut verständlich zu vermitteln. Die wichtigsten Probleme am Bewegungsapparat von Geburt bis ins hohe Alter, erworben oder angeboren wurden definitiv  in diesem interessanten Vortrag besprochen und bewusst gemacht.

Ich persönlich habe einiges dazu gelernt, auch wenn es nicht mein „Fachgebiet“ ist. Der Blickwinkel auf den Bewegungsapparat meiner tierischen Patienten, wird in Zukunft auf jeden Fall ein genauerer und bewussterer sein!

Petra Hanxleden

Unter dem Titel Kinesiologisches Taping therapeutisch – energetisch – funktionell hat uns Katja Bredlau-Morich die Einsatzmöglichkeiten der Tapeanlage bei der Behandlung von Tieren aufgezeigt. Nach einer kurzen Einführung zur Entwicklung des Tapens im Human- und Tierbereich und der Erklärung, wie eine Tapeanlage wirken soll, hat sie die von ihr vertriebenen Equi-Tapes, die speziell für den Einsatz im Tierbereich entwickelt wurden vorgestellt. Jede/er Teilnehmer/in bekam ein Stück Tape zur Anschauung. Im weiteren Verlauf des Vortrags hat Frau Bredlau-Morich aufgezeigt, wie die Tapes für die unterschiedlichen Einsatzgebiete (physiotherapeutisch, energetisch oder beim Training) angelegt werden und dazu Fallbeispiele vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass auch für das “einfache” Aufkleben eines Tapes gute anatomische und biomechanische Kenntnisse notwendig sind. In der letzten Ausgabe der THPaktuell befindet sich ein Artikel von Frau Bredlau-Morich, der das Thema ausführlicher vorstellt.

Dr. rer. nat. Caroline Kurz

Eine Vortragsreihe widmete sich facettenreich der Homöopathie. Dabei drehten sich die Themen nicht vorrangig um homöopathische Mittel sondern um Fragen der Arbeits- und Vorgehensweise in der klassischen Homöopathie:

Irrtümer und Missverständnisse in der homöopathischen Fallanalyse und Therapie:  Es  gibt eine Reihe von immer wiederkehrenden Irrtümern in der Homöopathie. Diese aufzuzeigen und richtigzustellen hat sich die  Referentin zur Aufgabe gemacht. In der Homöopathie brauchen wir eine genaue Diagnostik, um Verständnis für einen Fall zu entwickeln, die Dynamik der Krankheit zu verstehen und zu ermitteln, was ist das zu Behandelnde. Wann sind Gemütssymptome für einen Fall und dessen Verlaufsbeurteilung wichtig. Diesen und anderen Fragen ging die Referentin THP/HP Dr. jur. Ricarda Dill nach und stellte an Fallbeispielen aus ihrer eigenen Praxis die Schwierigkeiten bei der Analyse und Beurteilung von schwierigen Fällen sehr anschaulich dar. Fälle, die jedem und jeder von uns täglich begegnen können und bei denen wir hilfreiche Tipps zur Vorgehensweise aus diesem Vortrag mit nach Hause nehmen konnten. Alle Fallbeispiele, die die Referentin dargestellt hat, sind noch mal bei www.tierfundus.de nachzulesen.

Edda Hübert

Mit dem Vortrag „Behandlungsstrategien für schwere Pathologien in der Tierhomöopathie“ von Kristin Trede tauchten wir tief in Hahnemanns Organon ein. Die Referentin zeigte uns auf, wie wir bei schweren Pathologien, orientiert an Hahnemann, systematisch den Weg beschreiten können, der über Fallanalyse, das Erkennen des Wesens einer  oder auch mehrere Erkrankungen und die daraus folgende Therapie führt. Es wurde aufgezeigt, wo mögliche Fallstricke lauern, wie wir sie erkennen können und auch erkennen da, wo keine Heilung mehr möglich ist und wir nur noch durch Palliation so weit wie möglich den Patienten unterstützen können. Darüber hinaus gab es wertvolle Hinweise für uns Therapeuten, wie begleiten wir die Tierbesitzer durch mögliche Heilungskrisen. Anhand von eigenen Praxisfällen untermauerte die Referentin den angesprochenen Themenkomplex sehr anschaulich. Die Fallbeispiele sind noch mal bei www.tierfundus.de nachzulesen.

Edda Hübert 

Auch ich  hatte wieder die Qual der Wahl bei all den tollen Vortragsangeboten und ich ahne schon dass es 2019 nicht leichter werden wird…..

U.a. fiel meine Wahl auf den Vortrag einer Dozenten die ich noch nicht kannte. Lotti  Egli aus der Schweiz mit dem Thema  „Homöopathische Behandlung von Tumorerkrankungen“. Ich habe es nicht bereut!

Nachdem wir erst mit erschreckenden statistischen Zahlen konfrontiert wurden und die Ätiologie uns wieder vor Augen führte  wie wenig Schutz wir doch eigentlich bieten können bei allem was auf unsere Tiere wie selbstverständlich aus den verschiedensten Quellen einprasselt, bekamen wir doch gute Ideen und Leitmittel an die Hand die die grundsätzliche Diagnose-Panik besänftigen, den Weg und seine Symptome begleiten, die Lebenskraft stärken und damit ein Leben als LEBEN weiterhin erreichbarer werden lassen.

Ein weiterer Aspekt des Vortrages war, neben der Bereitschaft des Besitzers Abläufe und bisherige Normalität entscheidend zu verändern, auch die innere empathische und geistige Haltung des Besitzers zum Thema Tumor und Krebsgeschehen und seine Auswirkungen auf den Therapie- und Heilungsverlauf. Rundum ein gelungener Vortrag mit Handreichungen zur Therapie, der Vorbeuge und dem Rahmen rund um die Therapie.

Der 2.Vortrag den ich hier vorstellen möchte war „Das Symptomenlexikon“ von THP Christine Maaß, ein Vortrag den ich bewusst gebucht hatte um mich zu informieren wie die Arbeit in der Praxis damit aussieht, ob es eine Bereicherung für meinen Alltag sein könnte, das Repetrorisieren sich damit erleichtern könnte.

Ich kann folgendes zusammenfassen: Christine Maaß hat die Arbeit  anschaulich mit vielen Beispielen erläutert, die Wege zur Mittelfindung gut aufgezeigt. Mir hat es weitergeholfen ein System zu verstehen und in großen Teilen mit Verständnis und Zustimmung zu belegen.

Natürlich war dies eine Einführung, sie ersetzt keine gründliche Schulung und natürlich auch keine eigene Erfahrung, dem Umgang mit den „???“ im Kopf, warum gerade das in diesem System so und nicht anders interpretiert wird. Die Festlegung auf eine Arzneimittellehre, auf 125 begrenzte Mittel mit den eigenen AMB stieß bei einigen homöopathisch arbeitenden KollegInnen auf Gegenstimmen. Dem konnte ich folgen, da es den Anschein hat, nicht umfassend, vollständig repertorisieren zu können. Ich denke hier würde das vergleichende Arbeiten mehr Aufschluss bringen und vielleicht sollte man sich die Mühe wirklich machen. Entscheiden muss der Therapeut am Ende doch noch selbst wie er Prüfsymptome wertet und ordnet um erfolgreich zu arbeiten.

Martina Fickert

Ich hatte mich sehr gefreut, dass ein Vortrag über Rinder angeboten wurde. Thema des Vortrages von Frau Dr. Novotzin waren Stoffwechselerkrankungen, z.B. Diabetes mellitus, bei Rindern. In ihrem Vortrag berichtete sie anhand eines Beispieles sehr praxisnah, wie sie bei einer Bestandsbetreuung vorgeht.  Sie erklärte worauf sie achtet, schon wenn sie auf den Hof kommt.

Ist es so aufgeräumt und sauber wie immer oder ist etwas anders? Sie schilderte worauf man achten muss, wenn mehrere Tiere in einem Bestand erkrankt sind, was wichtig ist und was man vernach-lässigen kann. Sie ließ ihre Zuhörer/innen an ihrem großen Erfahrungsschatz teilhaben. So hatte sie auch viele Tipps in Bezug auf homöopathische Mittel, die bei Stoffwechselerkrankungen eingesetzt werden können.

Göntje Verbarg-Roppelt

Eine weitere Vortragsreihe widmete sich ganz tierischem Verhalten vom Normalverhalten bis hin zu verschiedenen Problemstellungen:

Der Samstag begann für mich „hündisch“. Bewusst habe ich mir die Vorträge des  Referenten Michael Grewe ausgesucht. Neben den Themen, die per se in der Arbeit mit Hundepatienten thematisiert werden, aus Sicht des Halters und auch als Therapeut,  nämlich „Kommunikation in einer Beziehung“ und „Aggressionsverhalten, was ist normal, wo fängt eine Störung an“ interessierte mich der durchaus kontrovers beurteilte Referent in Persona und live erlebt.

Es war eine gute Entscheidung. Michael Grewe schafft es Themen zu präsentieren in seiner ganz eigenen Weise:  freundlich, leicht (selbst)ironisch, klar, bestimmt, konsequent, argumentierfreudig, diskutier- aber nicht streitbar. Also so wie es auch die Hundeerziehung sein sollte. Ich kann vorschlagen, den Weg zeigen, schaue was DU mir anbietest und binde DICH in die Kommunikation mit ein, walze nicht über Dich hinüber wenn DU mich nicht verstehst.

An vielen Bild,- Videobeispielen und Erzählungen aus dem Arbeitsalltag verdeutlichte Michael Grewe seine These: „Ich kann nicht mit dem Hund kommunizieren, wenn er mir nicht zuhört“. Er wies uns Wege, eben diese Kommunikationseben aufzubauen, zu konditionieren. Er verdeutlichte, wie wir als Stimmungsbarometer und Reizverstärker Mensch diese Ebene zerstören oder gar ihre Entstehung verhindern. Er referierte über das Maß der Handlungen, ein Spiel aus Nähe und Distanz, um den angemessenen Beziehungsrahmen zu erreichen, über das was überhaupt möglich ist und wo wir als Partner und Team versagen müssen wenn die (An)Forderungen nicht passen.

In Vortrag „Aggressionsverhalten“ ging der Referent sehr deutlich auf die Rolle des Hundehalters als Katalysator ein. Er verdeutlichte das JA zur Aggression als Anzeiger, als Erlaubnis sich abzugrenzen, als Anzeiger für Fehlverhalten und Distanzlosigkeit, zumeist erzeugt durch den Mensch. Er referierte über das Referenzmodell für Normalverhalten contra vorprogrammierte Aggressivität durch Zucht auf Talente, auf den Dreiklang aus Halterkompetenz, Erwartungshaltung und Mensch-Hund-Beziehungsstatus. Er zeigte den schmalen Grat zwischen Normalverhalten und Verhaltensstörung in verschiedenen Bereichen auf, verwies auf die Wichtigkeit der erlernten Frustrationstoleranz und die Wichtigkeit Raum im Bewusstsein zu schaffen um das Bearbeiten von fehlerhaftem Aggressionsverhalten überhaupt möglich zu machen. Auch verwies er auf die Möglichkeit von genetisch fixiertem Aggressionsverhalten und der Unmöglichkeit dort Umlenkung zu erhalten sowie auf die Notwendigkeit medizinische Gründe für Aggressionsverhalten immer mit einzubeziehen und auszuschließen.

Martina Fickert

Bei dem Vortrag „ADHS und Stress beim Hund“ konnte man als Zuhörer/in deutlich merken,  dass die Referentin Maren Grote für die Auseinandersetzung mit dem kontroversen Thema ADHS brennt und der Frage ob und wieweit dies bei Hunden möglich ist. Sie erläuterte, wodurch ADHS sich auszeichnet und welche Fehlregulierung im Dopamin-Noradrenalin-Haushalt im Gehirn vorliegen. Die Referentin  zeigte auf, welche Verhaltenssymptomatik für ADHS typisch ist und worin die Schwierigkeit in der Erziehung und Umerziehung liegt, wobei sie auch auf die Möglichkeit der diätetischen Unterstützung hinwies. Auch machte sie sehr deutlich, dass ADHS keinesfalls gleichzusetzen ist mit mangelhafter Erziehung, da ADHS sich bereits von Anfang an durch Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität und Impulsivität auszeichnet. Frau Grote zeigte ebenfalls den Unterschied zu Impulskontrollstörung auf. Meines Erachtens kam die Abgrenzung zu einer Verhaltensauffälligkeit durch Stressbelastung und Überforderung etwas zu kurz wie generell das Eingehen auf Stress beim Hund mit seinen pathologischen Auswirkungen.

Ob und wieweit ADHS kynologisch-wissenschaftlich anerkannt werden kann und wird, bleibt eine spannende Beobachtung. In jedem Fall stellen Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten für Therapeuten eine Herausforderung dar, die Bemühungen von Hundetrainern durch naturheilkundliche Verhaltenstherapie zu unterstützen (aber das wäre ein großes Thema an anderer Stelle).

Stefanie Olhöft

Mit ihrem Vortrag „Verhaltensauffälligkeiten bei Katzen erkennen und Veränderungen herbeiführen“ stellte Frau Dr. med. vet. Renate Joses-Baade einen therapeutischen Leitfaden für die Behandlung von Gemütserkrankungen bei Katzen zur Verfügung.

Zunächst differenzierte sie zwischen pathologischem Verhalten einerseits und vom Menschen unerwünschten Verhalten andererseits. Markierverhalten, aggressives oder Jagdverhalten gehören zum normalen Spektrum der felinen Kommunikation, können aber u.a. durch negative Erfahrungen oder Verstärkung zur Pathologie werden. Demgegenüber sind beispielsweise übermäßige Ängstlichkeit, psychogene Alopezie, feline Hyperästhesie, Schwanzbeißen und Pica in jedem Fall pathologisches Verhalten.

Im Hinblick auf die Beurteilung einer Störung machte Dr. Jones-Baade deutlich, dass der Ausschluss organischer Erkrankungen, die Aufklärung der Tierhalter bezüglich normalen Katzenverhaltens sowie die Identifikation der Ursachen und Auslöser obligatorische Schritte der Anamnese sind.

Anschließend gewährte sie einen Einblick in den therapeutischen Werkzeugkasten für die Behandlung von Verhaltensstörungen bei Katzen. Die Beratung der Tierhalter bezüglich des eigenen Verhaltens, z.B. unbewusste und unbeabsichtigte Verstärkung des unerwünschten Verhaltens, aber auch die Möglichkeit der gezielten Verstärkung des erwünschten Verhaltens, ist hier ein erster Schritt. Weitere Möglichkeiten sind u.a. Optimierung der Haltungsbedingungen (Einbau einer dritten Ebene, Schaffung von Rückzugsorten, Positionierung Katzentoiletten usw.) und die Verhaltenstherapie (Gegenkonditionierung, Habituation, Desensibilisierung). Dieser Hauptteil des Vortrags wurde mit eindrucksvollen Bildern und Videos praktisch illustriert. So werden mir die Bilder der umfangreichen Baumaßnahmen in einer Wohnung, die unter Anleitung von Frau Dr. Jones-Baade vorgenommen wurden, um Hund und Katzen aneinander zu gewöhnen, bzw. zwei Katzen zu vergesellschaften, in anschaulicher Erinnerung bleiben.

Dr. Jones-Baade bot einen wissenschaftlich fundierten Vortrag mit viel Praxisrelevanz, der auch mir als katzenerfahrener Therapeutin und jahrzehntelanger Qualifikation als „Dosenöffnerin“ einige ergänzende gute Anregungen und Impulse für die tägliche Arbeit geben konnte. Wie immer ist es schade, dass 90 Minuten zeitlich nicht ausreichen können, um tiefer in das Thema einzusteigen.

Kristin Trede

Im Vortrag von Dr. Willa Bohnet (Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover) „Auswirkungen von Stress auf Körper und Psyche des Pferdes“ ging es zunächst um die Definition der Begriffe „Wohlbefinden“, „Schmerzen“, „Leiden“, Schäden“. Erstes zentrales Thema waren die unterschiedlichen Reaktionsmuster der Pferde auf „Stress“: „die Fünf F“ (Übersprungshandlungen, Zusammenbrechen, Erstarren, Flucht, Kampf). Wie wir diese anhand von Ausdrucksverhalten (Mimik, Gestik, Verhalten) erkennen können, wurde sehr praktisch anhand von Bildern der Horse Grimace Scale verdeutlicht. Die Horse Grimace Scale ist eine wissenschaftliche Methode, mit der sich der Schmerz eines Pferdes über seine Mimik erkennen lässt.

Die Auswirkungen von Stress verdeutlichte Dr. Bohnet anhand von Kausalketten: als Beispiel sei hier genannt, dass ein durch einen Stressor ausgelöster Kontrollverlust zu Depressionen, Rückzug und Apathie führt. Hiermit verbunden ist eine Erhöhung des ACTH- und Kortikosteroid-Spiegels mit gleichzeitigem Absinken des Testosteron-Spiegels. Bleibt der Stress und das Reaktionsmuster des Pferdes hierauf ein Dauerzustand, können Cushing-ähnliche Symptome auftreten. Aus diesem Grunde kann Dauerstress ein Mit-Auslöser des equinen Cushing-Syndroms sein.

Abschließend fasste die Referentin die möglichen Stressoren und ihre jeweilige Auswirkung von Stress auf Körper, Psyche und Verhalten zusammen und rundete den Vortrag mit weiterführenden Literaturhinweisen ab.

„Pferde brauchen einen Freund“ – dieser Satz aus dem Vortrag von Dr. Margit Zeitler-Feicht (TUM München, Wissenschaftszentrum Weihenstephan) hat sich für immer in mein Gehirn eingebrannt: Drückt er doch die Anforderungen an eine artgerechte Pferdehaltung in allen Funktionskreisen aus: Sozialkontakte, Ernährung, Lokomotion, Ruhe, Komfort usw.

Basierend auf den „Leitlinien Tierschutz im Pferdesport“ und dem „Positionspapier der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V.“, die Mindestanforderungen in der Pferdehaltung formulieren, ging Dr. Zeitler-Feicht auf die unterschiedlichen Details der o.g. Funktionskreise ein. Mir war nie so bewusst geworden, dass z.B. eine Stroh-Einstreu eine Überschneidung von Fress- und Ruhezone darstellt, in der somit bei rangniedrigeren Individuen die Ruhephasen gestört werden können. Und ich habe nun endlich eine wissenschaftliche Begründung dafür, warum Gummimatten nur mit zusätzlicher Einstreu pferdegerecht sind, da aus Pferdesicht der Untergrund zum Ruhen verformbar bevorzugt wird. So sind auch sogenannte „Pferdebetten“ nur bedingt geeignet, da sie durch ihre sehr weiche Konsistenz das Fluchttier Pferd beim schnellen Aufstehen behindern. Beispielsweise sind auch Futterautomaten und zeitgesteuerte Rollraufen nicht artgerecht, da Pferde als soziale Tiere gemeinsam fressen, aber gleichzeitig ihren Individual-Abstand einhalten möchten, was mit diesen technischen Vorrichtungen nicht möglich ist.

Viele Details der Vorträge dieser beiden tollen Referentinnen haben mich in meiner Auffassung zur Pferdehaltung bestätigt. Darüber hinaus gab es einige Anregungen, die ich im eigenen Stall und in der Beratung von Patientenbesitzern berücksichtigen werde.

Kristin Trede

Geboren aus dem Wunsch nach Workshops, offenem Erfahrungsaustausch, Brainstorming aus den Reihen der Teilnehmer, verläuft sich seit einigen Jahren die Tagung glücklicherweise nicht mehr nach dem sonntäglichen Mittagessen sondern endet mit einer Abschlussveranstaltung.

Ich finde es schön zu erleben, dass hier nicht mehr nur der hartgesottene „wir müssen bleiben bis zum Ende“ Kern der Teilnehmer erscheint, sondern sich tatsächlich eine wachsende Interessensgruppe findet die diesen Programmpunkt mit reichlich Leben füllt.

Nach den reinen Workshop-Themen der vergangenen Jahre hatten diesmal zwei erfahrene Kolleginnen Fallbeispiele vorbereitet und vorgetragen die uns zeigten, dass auch mit Widrigkeiten, Gegenfeuer und diversen Fallstricken gesegnete Praxisfälle erfolgreich abgeschlossen werden können. Im regen Austausch mit allen Anwesenden erläuterten die Kolleginnen Göntje Verbag-Roppelt und Ulrike Kübert-Bartsch nicht nur die therapeutische Vorgehensweise im eigentlichen Fall sondern auch die Wegstrecken in Anamnese und Verlauf die letztendlich doch noch zum Therapie-Erfolg führten.

Es bedarf Mut, daher meinen besonderen Dank an die Kolleginnen Göntje Verbag-Roppelt und Ulrike Kübert-Bartsch und Moderatorin Jutta Schröter, vor Publikum zuzugeben, dass man als Therapeut so hin und wieder mit vielen Fragezeichen im Kopf dasteht, eigentlich erst mal kaum Plan hat wie man mit rudimentärem Hintergrundwissen seitens der Tierhalter eine Therapie startet, sich durchlavieren muss bis der rote Faden erkennbar wird. Und damit stehen die Beiden, wie die Diskussion zeigte, nicht alleine ……

Erfahrungsaustausch ist wichtig und ich hoffe auf weitere, gleichermaßen interessante Abschlussveranstaltungen in den kommenden Jahren.

Martina Fickert

Schlussendlich waren die diesjährigen Tierheilpraktikertage als eine Jubiläumsveranstaltung mit einem bunten Programm, einer vielseitigen Tiergesundheitsausstellung und vielen wunderbaren Menschen, eine Veranstaltung, die allen in guter Erinnerung bleiben wird. Die Vorträge boten, neben vermitteltem Wissen, Möglichkeiten über den Tellerrand festgefahrener Meinungen zu schauen, sich Gedanken zu machen und ermunterten, sich als Therapeut Schwierigkeiten zu stellen und darüber auszutauschen.